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Wie war’s in Indonesien?

Auch nach mehr als zwei  Monaten seit meiner Rückkehr aus dem Auslandssemester in Indonesien begegne ich der Frage „Und? Wie war’s?“. Nun… – fünf intensive, erlebnisreiche und vor allem einflussreiche Monate mal eben zu beschreiben fällt nicht einfach. Mögliche Lösung: Ein Kärtchen mit QR-Code und URL zu diesem Artikel verteilen? Nicht sehr persönlich, aber vielleicht eine gute Ergänzung… 😉

Eigentlich es auch nicht einfacher darüber zu schreiben. All die subjektiven Eindrücke, Erlebnisse, etc…. Aber genug gejammert. Ich stelle mir einfach die bekannte Situation vor. Ich treffe Jemanden und die zweite Frage lautet: „Wie war’s in Bali?“

Zu den allgemein bekannten und weniger spannenden Dingen zählt wohl der folgende Punkt: Es war warm! Meine zwei Kommilitonen und ich kamen an, als gerade der Übergang von Regen- zur Trockenzeit erfolgte.Dies bedeutete kaum Regen und dauerhaft schwitzen – 24h am Tag bei 27-30°C. Der nahezu tägliche und durchgehende Sonnenschein (natürlich gibt es auch in Indonesien Wolken) erfreute das Gemüt. Der Körper (zumindest meiner) gewöhnte sich recht schnell daran. Ungewohnt war aber, dass es auch nachts noch so heiß ist. Ausserdem steht die Sonne direkt über dem Kopf, da sich die indonesische Insel Bali nahe des Äquators befindet. Das bedeutet zu einem eine gute Vitamin D Produktion über die Haut aber zum anderen eine schnelle und ungewollte Verfärbung der Haut Richtung rot – auch als Sonnenbrand bekannt. Etwas kühler wird es, wenn in Deutschland Sommer ist. (Oh Gott, eigentlich schon zu viel Thema Wetter geschrieben…)

strand

„Dreamland“ Beach

Bali ist eine wunderschöne, kleine Insel. Es gibt dort zwar auch sehr schöne Strände, wer aber auf weißen Traumstrand aus ist, der ist auf anderen Inseln (z. B. Nachbarinsel Lombok und Gili Trawangan) besser aufgehoben. Am meisten fasziniert haben mich die Reisfelder, Wasserfälle, Berge bzw. Vulkane und einfach die ganze Flora auf Bali. In diesem Zusammenhang bietet sich die Weisheit“Bilder sagen mehr als tausend Worte“ an:

Reisterassen

Bali assoziieren viele Menschen mit Massentourismus. Und das ist sicherlich nicht ganz falsch. Jedoch konzentriert sich der Tourismus hauptsächlich im südlichen Bereich der Insel. In diesen „Tourigegenden“ kann man alles machen – feiern, Wassersport, Wellness, einkaufen und vieles mehr. Glücklicherweise machen diese Gegenden nur einen recht kleinen Teil hinsichtlich der Fläche aus. Entfernt man sich ein wenig, so sieht man das wahre Bali. Dazu muss man wirklich nicht weit fahren. Viele jedoch bewegen sich leider nicht mehr als 5km von ihrem Hotel weg und bekommen niemals die andere Seite zu sehen:

– verlassene Natur
– wilde Affen
– Menschen, die sich in Flüssen waschen
– wenig befahrene Straßen
– schüchterne, neugierige, kein Wort Englisch sprechende Leute
– viele Tempel, die es aber wirklich überall gibt
– Kinder, die einem lächelnd zurufen
– keine Touristen
– Ruhe

und vieles mehr

Doch der Tourismus wächst leider, wie überall auf der Welt. Dies führt auch zu vielen Problemen. Manche Bewohner lassen sich sogar aus den „Tourigegenden“ umsiedeln um wieder ein traditionelles Leben zu führen.

Schüchterne und neugierige Familie im Norden

Das faszinierendste an meinem Aufenthalt war die Kultur bzw. die Menschen und deren Lebensweise. Allein darüber könnte ich unendlich viel erzählen. Aber gerade das ist etwas, das man erlebt haben muss. Das Ganze geht weit hinaus über Dinge wie extreme Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und Ähnliches. Eines der für mich interessantesten Dinge war z. B. die Art, in der die Menschen miteinander umgehen. Treffen sich beispielsweise fremde Indonesier und reden miteinander (lassen wir es mal etwas banales sein wie Jemanden nach dem Weg fragen), dann hat man das Gefühl, sie würden sich schon seit Jahren kennen. Die Distanz, die wir Deutsche Fremden gegenüber haben, ist nicht vorhanden. Die Menschen leben mehr miteinander, als jeder für sich. Sie sind spürbar ein gemeinsames Volk. Kaum einer kommt sich besser vor als der andere. Kaum Jemand kommt sich schlecht vor, weil er einen (in unseren Augen) „lausigen“ Job hat. Es ist nicht wichtig, welcher beruflichen Beschäftigung man nachgeht. Es ist wichtig, wer man ist. Die Menschen brauchen allgemein nicht viel um glücklich zu sein. Eine Unterkunft und genügend Nahrung reichen, um nicht als arm zu gelten. Es ist (noch) keine Hektik und Zeitdruck zu spüren. Niemand brüllt oder verhält sich aggressiv – auch nicht, wenn er 20 Minuten in der Schlange im Lebensmittelgeschäft steht.

Bei all der Schwärmerei muss man natürlich sagen, dass es (wie überall) auch negative Seiten gibt, die ich erlebt habe.

– Viele streunende Hunde (Tollwutgefahr)
– wenige und schlechte Straßen (krasse, gefährliche Schlaglöcher)
– teils üble Staus im „verrückten“ Verkehr (vor allem in der Hauptstadt Denpasar)
– teils starke Verschmutzung durch Müll (es gibt kein „Müll Management“, kein Bewusstsein und kaum Möglichkeiten für fachgerechte Müllentsorgung)

Des Weiteren habe ich eine Geschichte über einen Taxifahrer gehört (war oder nicht wahr?), der einen Verletzten nicht mitnehmen wollte, weil dessen Blut das Taxi entweiht (oder Ähnliches) hätte. Dann sei noch die „Touri-Abzocke“ erwähnt, die stark verbreitet ist: Tankwärter versuchen zu wenig Wechselgeld zu geben, Marktverkäufer und Taxifahrer verlangen (zunächst) utopische Preise, usw. Aber die meisten Dinge lassen sich vermeiden und verhandeln – vor allem wenn man (auch nur ein bisschen) Indonesisch kann 🙂

wenig befahrene Straße

Wenig befahrene Straße im Norden Bali’s.

Damit es nicht in Vergessenheit gerät: Ich habe in Indonesien ein komplettes Semester studiert. Unterrichtssprache war englisch – oder so etwas Ähnliches… 😉 (die Indonesier sind nicht bekannt für gutes Englisch). Neben der indonesischen Sprache  gab es Fächer wie South-East-Asia Economy, Indonesian History and Culture, Business Management, etc. Aber wer will an dieser Stelle schon Einzelheiten zum Inhalt wissen…Nach dem Studium ging die Reise durch Asien los: Vietnam, Kambdoscha, Thailand und Malaysia. Diese Zeit war mindestens genauso lehrreich und bedeutsam wie die Zeit in Indonesien.

Vielleicht hätte ich den Asien-Aufenthalt kürzer formulieren können: Ich hatte sehr viel Spaß, habe außergewöhnliche Menschen kennengelernt, viel Armut gesehen, viel Reis gegessen, viel Roller gefahren, Freundschaften mit Einheimischen geschlossen, viel gelernt über die Kultur und vor allem auch über mich, Abenteuer erlebt, viel gereist, habe das Phänomen „Kulturschock“ kennen gelernt (am ausgeprägtesten bei der Rückkehr nach Deutschland), unvergessliche Eindrücke gesammelt, meinen Horizont erweitert und so viel mehr. Es war eine Zeit, die bleibende Spuren hinterlassen hat. Spuren, die man in keinem Lehrbuch und an keiner Universität findet.

Es war einfach ein Sprung in eine andere Welt. Seien es die Hygienestandards, die Lebensweise, die Menschen, das Essen und und und… Es ist aber vor allem eine Welt, die ich zu lieben gelernt habe.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Übrigens: Gerade rief mich ein alter Freund an, mit dem ich schon lange nicht mehr gesprochen habe. Was war eine der ersten Fragen? Richtig, „Wie war’s…“

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